Die Kuhmilch

Eine Kuh, die gute Milch gibt, muss man auch mal streicheln...

Die Kuhmilch ist nicht nur ein bedeutendes Lebensmittel innerhalb der menschlichen Ernährung - sie soll unter anderem Osteoporose, Gastritis oder Darmkrebs vorbeugen -, sondern auch eines der wichtigsten Agrarprodukte in Deutschland. Und mit den fast 4,22 Millionen Kühen einer der größten Milchproduzenten (rund 28,66 Milliarden Liter - Stand 2008) der EU. So werden auf fast jedem dritten Bauernhof (etwa 115.000) Milchkühe gehalten. Zweimal am Tag, an 365 Tagen im Jahr werden die Kühe gemolken und erzeugen im Jahr etwa 6.000 kg bis über 9.000 kg Milch pro Kuh - das ist etwa dreimal so viel wie vor hundert Jahren. Eine heutige Spitzenkuh der Rasse Schwarzbunte Holsteins kommt auf bis zu 19.700 kg Milch pro Jahr. Die Leistung schwankt in der Regel von 15 bis über 60 Liter pro Tag. Die Menge hängt sehr stark von der Veranlagung und der Tiere und der Rasse ab. Kühe geben 50 bis 100 Tage nach dem Abkalben die meiste Milch, danach sinkt die Menge langsam ab. Einige Wochen vor dem erneuten Abkalben werden sie nicht mehr gemolken, damit sie sich regenerieren können.

Weltweit werden derzeit über 616 Millionen Tonnen Milch erzeugt. Die größten Milchproduzenten sind dabei Indien (ca. 90 Millionen Tonnen), die USA (ca. 77 Millionen Tonnen) und Russland (ca. 32 Millionen Tonnen). Deutschland liegt somit auf Platz vier. Bei einer Weltbevölkerung von derzeit 6,3 Milliarden Menschen kommt statistisch gesehen auf jede Person eine Milchmenge von fast knapp Liter Milch pro Jahr. Real ist der Pro-Kopf Verbrauch jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich, das liegt an traditionellen Ernährungsgewohnheiten, klimatischen Bedingungen aber auch an Unverträglichkeiten gegenüber Milchprodukten. Ein bundesdeutscher Durchschnittsverbraucher trinkt knapp 70 Liter Milch im Jahr, isst 17 Kilogramm Joghurt, gut 6 Kilo Butter, 9 Kilo Sahne sowie gut 22 Kilo Käse.



Wie entsteht eigentlich die Milch?

Kuh von hinten

Alles fängt mit den ausgerupften, saftigen, grünem Gras, Klee und Wildkräutern an - denn die Kühe beißen es nicht ab, sondern nutzen ihre raue Zunge, um es abzureißen. Diese Grasbüschel gelangen unzerkaut mit viel Speichel in den ersten der beiden Vormägen (Pansen), der ein Volumen von bis zu 200 Liter erreichen kann. Dort sorgen Wärme und diverse anaerobe Mikroorganismen dafür, dass die Pflanzenzellen aufgelöst und deren Zellulose in Energie umgewandelt wird.

Nachdem der erste Verdauungsvorgang beendet ist, werden kleine Portionen des Breis in den zweiten Vormagen (Netzmagen) befördert, der seinerseits kleine Kügelchen formt und diese zum Wiederkäuen zurück ins Maul befördert. Daher sieht man die Tiere häufig auf der Weide liegen, wie sie vor sich hin dösen und ständig kauen. Sie käuen wieder. Rinder sind, genau wie Schafe und Ziegen, aber auch Giraffen und Hirsche, Wiederkäuer. Durch das intensive Kauen wird die Nahrung weiter zerkleinert.

Beim zweiten Schlucken gelangt die Nahrung über den Blättermagen, hier wird dem zermahlenden Brei Wasser entzogen, das vom Körper über die Nieren als Urin ausgeschieden wird, in den Labmagen oder auch Käsemagen genannt, wo die Vergärung, der eigentliche Verdauungsprozess beginnt. Der Labmagen entspricht im wesentlichen dem Magen des Menschen. Schließlich wandert der Brei weiter in den 50 bis 60 Meter langen Darm, wo alle benötigten Nährstoffe ins Blut gelangen.

Ein Teil der Nährstoffe gelangt über den Blutkreislauf ins Euter, wo dem Blut, die für die Milchbildung wichtigen Nährstoffe wieder entzogen werden. Aus den Aminosäuren wird das Milcheiweiß, aus der Glukose (Blutzucker) wird Milchzucker (Laktose) und die Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine werden direkt an die Milch abgegeben.

Damit 1 Liter Milch entsteht, muss das Drüsengewebe im Kuheuter von 500 Litern Blut durchströmt werden. Die Milch entsteht dabei in den Bläschen des Drüsengewebes.

Liebchen, die 10-Tonnen-Kuh von Bauer Jordan (Artikel von Osthessen-News)

Die Kühe fressen etwa 70 bis 80 Kilogramm Gras auf der Weide und sind acht Stunden mit dem Wiederkäuen beschäftigt. Letztlich kann die Kuh gemolken werden, was zweimal täglich geschieht. Wenn ihr Euter zu voll und prall ist, tut es ihnen weh, und sie muhen laut. Die Milch wird dann meist industriell zur Trinkmilch oder Milchfrischprodukten aufbereitet.

Schematischer Aufbau der Mägen einer Kuh



Woraus besteht Kuhmilch?

Aus etwa 88% Wasser, durchschnittlich 3,3% Eiweiß, davon 2,7% Casein, 3,5% Fett und 4,8% Milchzucker (Laktose). Sie ist reich an Mineralstoffen - z.B. ist es mit 120mg Calcium pro 100ml Milch eins der Nahrungsmittel mit dem höchsten Calciumgehalt - und Vitaminen, wie A und D, sowie B1, B2 und B6, C und E.

Übersicht der verschiedenen Milchsorten und Milchprodukten



Warum wird Milch sauer?

Wenn die Milch sauer wird, dann sind winzig kleine Bakterien daran schuld. Sie gelangen durch die Luft in die Milch. Diese Milchsäurebakterien wandeln den Milchzucker in Milchsäure um. Davon wird die Milch sauer und es bilden sich kleine weiße Flocken; das passiert vor allem, wenn die Milch längere Zeit im Warmen steht. Dann fühlen sich die Bakterie sehr wohl und können besonders gut arbeiten.



Warum ist Milch weiß, obwohl die Kühe so viel Grünzeug fressen?

Die weiße Farbe kommt vom Eiweiß in der Milch. Würde man das Eiweiß aus der Milch herauslösen, was im Labor möglich ist, dann würde eine wesentlich hellere, trübe Flüssigkeit zurückbleiben. Weiterhin bilden Fett und Wasser der Milch eine Emulsion. Das heißt: Das Fett ist in winzigen Tröpfchen, nur wenige tausendstel Millimeter groß, in der Milch verteilt. Diese Tröpfchen streuen das Licht und lassen dadurch die Milch weiß erscheinen. Würde man die Milch ein Zeit lang stehen lassen, dann steigen die Fetttröpfchen nach oben und bilden eine Rahmschicht.
Die Tatsache, dass die Kühe auf der Weide grünes Gras fressen, hat auf die Farbe der Milch keine Einfluss, da die Milch kein Ausscheidungsprodukt, sondern ein Drüsensekret ist. Grün schimmert bestenfalls am Ende der Kuhfladen.



Glückliche Kühe für 21 Cent pro Kilo?

Viele Landwirte in Deutschland wollen einen weiteren Verfall des Milchpreises nicht hinnehmen. Zurzeit bekommen die Landwirte 26 Cent für ein Kilo Milch. Die EU will den Preis auf 21 Cent bis 2015 drücken. Können bei diesem Preis die Kühe noch ein glückliches Leben führen? Oder werden Sie so auf Milchleistung gezüchtet und stehen in riesigen Ställen. Die Weide ist nur durch das Fenster zu sehen während Ventilatoren ständig frische Luft durch die schummerige Halle pusten...
Schon jetzt ist es für die Landwirte schwer, sollten die Preise nicht gehalten bzw. erhöht werden, droht vielen das Aus. Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) fordert einen Preis von 40 Cent pro Kilo Milch und hat auch verschiedene Ideen die Forderung durchzusetzen. Notfalls sogar mit einem Lieferstopp, dann wären innerhalb weniger Tag die Regale im Supermarkt leer. Nach eigenen Aussagen des BDM bedeutet die Anhebung des Preises eine monatliche Mehrausgabe für Milchprodukte von 2,90 Euro. Sind wir dieses den Tieren nicht schuldig, damit wir weiterhin glückliche Kühe auf der Wiese sehen können? (Stand: Februar 2005)
Biobauern erhalten im Jahresschnitt zwischen 31 und 37 Cent pro Kilo Milch (je nach Molkerei). Auch hier fordern die Landwirte mindestens 40 Cent, damit sie  hochwertige Lebensmittel erzeugen können. (Stand: Oktober 2005)



Die teuerste Milch

Im Gegensatz zu einem Liter Kuhmilch für unter einem Euro kostet Mäusemilch einiges mehr. Um ein Liter davon zu erhalten, müssen rund 4000 Mäuse gemolken werden, da ein Tier während dem 30-minütigen Melken (mit einer Pipette) lediglich 0,25 Kubikzentimeter Milch gibt. Der Liter kostet über 20.000 Euro. Die Milch ist jedoch nicht zum Trinken vorgesehen, sondern wird zu medizinische Forschungszwecke in Laboratorien verwendet.


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