Eine lustige Geschichte

Scheckenmuster (von Halbermehl)

"Wie kam die Kuh an ihre Flecken?", fragte das Lämmchen eines Tages eine Stute. Diese schaute zum Lämmchen herunter, lachte ein wenig und wieherte: "Liebes Lämmchen, woher soll ich das wissen? Ich bin doch nur eine Stute!" Das Lämmchen schaute zu Boden und trottete weiter. Es konnte sich nicht erklären, woher die Kuh ihre Flecken hatte. Kein anderer hatte so schöne Flecken, die jede Kuh zu etwas besonderem macht; der Hund war schwarz, die Pferde braun, die Katze grau und die Schafe weiß. Doch keiner war so bunt wie die Kuh. Grübelnd ging es weiter zum Hund, doch der konnte ihm auch nicht helfen. Da fiel ihm ein, dass es einen gab, der alles wusste: 'Der Tümpelelch'!!!

Die Augen des Lämmchens leuchteten auf und es trabte in den nahe gelegenen Wald. Eigentlich durfte es ja nicht in den Wald, doch da es in wichtiger Mission unterwegs war, musste das jeder einsehen. Es trabte weiter bis zu einer Lichtung in deren Mitte ein kleiner Tümpel lag. Das Lämmchen bremste seine Schritte, ging auf den Tümpel zu und sah hinein. Doch alles was es sah, war sein eigenes Spiegelbild. Es stand noch für ein paar Minuten da und schaute seine Spiegelung an. Doch dann sah es, wie sich an zwei Stellen das Wasser bewegte und Ringe sich formten. Dann tauchte mit einer gewaltigen Wucht ein Geweih auf. Algen hingen in den Verästelungen der Hörner und unter dem pompösen Geweih sah das Lämmchen einen eher zierlichen Elchskopf. Es gibt ihn wirklich, den sagenumwobenen Tümpelelch! Ob er dem Lämmchen helfen könnte? Es wollte seine Frage stellen, doch die Größe und die ungewöhnlich starke Ausstrahlung des Tümpelelches verschlugen ihm die Sprache und es schluckte nur leise.

Der Tümpelelch sah es an, setzte ein Lächeln auf, räusperte sich und fragte mit einer wunderschönen, tiefen Stimme: "Nun mein Lämmchen, was kann ich für dich tun?" Zaghaft öffnete das Lämmchen den Mund und flüsterte fast: "Ich habe gehört, dass Sie alles wissen. Und ich habe eine Frage, deren Antwort niemand weiß."

"Eine Frage deren Antwort keiner kennt?" wiederholte der Tümpelelch, "Nein, so etwas gibt es nicht. Zu einer jeden Frage gibt es eine Antwort, man muss nur wissen wo sie zu finden ist. Um was für eine Frage handelt es sich?"

Das Lämmchen hatte sowohl neuen Mut wie Hoffnung auf eine Antwort geschöpft und fragte: "Wie kam die Kuh an ihre Flecken?" Der Tümpelelch überlegte einen Moment und fing dann an zu erzählen: "Ein Verwandter von mir, der in einem Tümpel eines Gutshofes lebt, sah wie sich eines Tages folgendes ereignet: Der Bauer war am frühen Morgen hinaus auf die Weide gegangen, um dort die Kühe zu melken. Damals waren noch alle Kühe pechschwarz wie eine mondlose Nacht. Der Bauer hatte gerade eine Kuh gemolken, als er mit seinem Eimer zur nächsten gehen wollte. Doch ehe er sich versah, stolperte er und die gute Milch flog in hohem Bogen durch die Luft und landete auf dem Rücken einer andern Kuh. Der Bauer stand auf, klopfte sich die Hose ab, sah rüber zur Kuh, schmunzelte und dachte: 'It's no use crying about spilled milk.'

Dem Tümpelelch, der all dies verfolgt hatte, gefiel das neue Aussehen der Kuh und beschloss, dass die Milchflecken nie mehr aus dem Fell gewaschen werden sollten. Und was ein Tümpelelch beschließt, bleibt so."

Das Lämmchen hatte aufmerksam zugehört. Nun hatte es eine Antwort auf seine Frage und doch war es ein wenig traurig. "Was hast du mein Lämmchen? Ist etwas nicht in Ordnung?" Das Lämmchen sah den Tümpelelch mit seinen traurigen Augen an "Ich habe noch eine Frage..." "Dann stelle sie, wo du schon hier bist." forderte der Tümpelelch auf. "Wieso hat nur die Kuh so schöne Flecken und alle andern müssen sich mit einer Farbe begnügen?" Der Tümpelelch machte ein nachdenkliches Gesicht. "Mein Lämmchen, es ist spät, gehe nach Hause und komm' morgen wieder."

Das Lämmchen tat dies. In der gleichen Nacht berief der Tümpelelch eine Versammlung ein und alle Tümpelelche diskutierten darüber, ob auch andere Tiere gescheckt sein sollten. In der Morgendämmerung kehrten die Tümpelelche zurück zu ihren eigenen Tümpeln. Doch gleichzeitig wurden die Schafe zusammengetrieben und verkauft; unter anderen das kleine Lämmchen. Nach einem langen Transport kam das Lämmchen zu einem neuen Hof und wurde mit den anderen auf die Weide getrieben. Seine Augen öffneten sich weit; Was sah es da? Eine Katze! Nein, das war nichts außergewöhnliches, doch das Fell war in den schönsten Farben gescheckt; rot, weiß, schwarz. Lämmchens Blicke lösten sich von der Katze als es den Hund sah, dessen Rücken dunkel abgesetzt sein übriges Fell war hell. Auf der angrenzenden Weide standen Pferde, deren Fell und Schweif in den schönsten Farbkombinationen leuchteten: braun-weiß, schwarz-weiß, hell mit dunkler Mähne, dunkel mit heller Mähne.

Das Lämmchen traute seinen Augen nicht, nun waren alle bunt. Und wenn es sich nicht ganz versah, stand wirklich weit weg in einer kleinen Baumgruppe ein Tümpelelch, dessen Fell ebenfalls gescheckt war.



Zurück zur Übersicht der Rinderrassen